Wirken und Ruf

Ihre Schönheit und ihre Herkunft aus dem von vielen gehassten Adelsgeschlecht der spanischen Borgia prädestinierte sie bereits zu Lebzeiten auf die gröbste Art und Weise verleumdet zu werden. Auch nach ihrem Tod rissen die Gerüchte um Lucrezia nicht ab, von ihr als Giftmischerin war die Rede und das sie viele Liebschaften gehabt haben soll, unter anderem mit den Künstlern Pietro Bembo und Gianfrancesco Gonzaga. Die Liste ist schier unendlich lang mit ihren angeblichen Taten, so nicht nur die erwähnten Liebschaften, sondern auch die betriebene Blutschande mit ihrem Vater und ihrem Bruder Cesare. Zu ihrem angeblichen Repertoire zählen auch Intrigen, Verrat und Mord. Aufgrund dieser Gerüchte und Erzählungen, die über sie kursierten, gilt sie als eine der verderbtesten und verrufendsten Frauen in der Geschichte. Somit ist sie in guter Gesellschaft: Cleopatra (69 – 30 v. Chr.), Katharina die Große (1729 – 1796) und Marie Antoinette (1755 – 1793).

Aber nicht beschreiten kann man, dass Lucrezia auch eine Gönnerin der Künste und des Wissens ihrer Zeit war. So versammelte sie nicht nur die gelehrtesten und klügsten Köpfe ihrer Zeit um sich, sie machte den Hof von Ferrara auch zu einem Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Weiterhin erwarb sie auch Land in Norditalien, welches sie durch Entwässrungen urbar machte, sodass es für den Anbau oder als Weideland genutzt werden konnte.

Des Weiteren war ihre Person, ihr Leben und Wirken, aber auch die Gerüchte über sie vielen Künstlern, Malern wie Dichtern eine Inspiration. Über Lucrezia Borgia gibt es Romane und mehrere Filme und sogar eine Oper. Die Oper „Lucrezia Borgia“, wurde 1833 von Gaetano Donizetti (1797 – 1848) komponiert und basiert auf einer Tragödie über Lucrezia Borgia, die von Victor Hugo (1802 – 1885) verfasst wurde. Über sie gibt es auch ein sehr schönes Gedicht von Christian Morgenstern (1871 – 1914). Es trägt den Titel „Vor den Fresken der Appartamenti Borgia“ und darin wird Lucrezia wie folgt beschrieben „Du warst nicht mehr die Jungfrau blind,/ verführerischste der Madonnen! […] Und du, Lucrezia, weißer Schwan, / mit deinen güldnen Sonnenflechten!